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Mehrtages Hüttenwanderung in den Dolomiten und Milchstraße am Rosengarten

In den Alpen eine Wanderung zu machen, die an Hütten vorbei führt hat Vor- und Nachteile. Zum Einen ist es hilfreich, wenn es regnet oder sogar gewittert eine sichere Schutzhütte als Unterschlupf zu haben, da es oben auf dem Berg gern einmal ungemütlich werden kann. Gerade erst vor wenigen Wochen konnte man noch in der Presse lesen, dass ein Kletterer beim Abstieg von einem Klettersteig tödlich von einem Blitz getroffen wurde. Auf unserer Tour gab es viel Regen und auch mehrere Donner zu hören und Blitze zu sehen, weßhalb sich dieser Vorteil einer Hütte bewährt hat. Darüber hinaus bietet auch warmes Essen und ein gemütliches Bett weiteren Komfort. Auf der anderen Seite ist man der Natur ferner, als wenn man zelten oder bei gutem Wetter nur mit Isomatte und Schlafsack biwakieren würde. Mit einem Sternenhimmel einschlafen und von den ersten Sonnenstrahlen aufgeweckt zu werden blieb daher aus. Das hat mich dennoch nicht aufgehalten, die Nacht mit Milchstraße in den Dolomiten und die Sonnenauf- und untergänge zu fotografieren.

Also zurück zum Beginn der Reise. In den späten Wintermonaten gab es den ersten Plan. Es sollten mehrere Klettersteigtouren und eine Mehrtages Hüttenwanderung in dem schönen Südtirol werden. Genau gesagt die Gegend um Canazei und dem Rosengarten. Also ein super Ausgangsort, um einiges zu erleben. Los ging es mit meiner Freundin und deren Familie, wobei wir typischerweise 2 Uhr in der Früh aus Sachsen aufbrachen, um vormittags in Italien zu sein und am gleichen Tag noch den ersten Klettersteig zu machen. Schon da gab es leichten Nieselregen im Aufstieg und interessante Wolkenbildungen im Abstieg. Von diesem Motiv hätte ich gerne den Sonnenuntergang fotografiert, aber hier musste die Handykamera zum Tageslicht herhalten. Vielleicht lockt mich diese Komposition ein anderes Mal auf den gleichen Berg.

Am Pisciadu auf 2600m
Am Gipfelkreuz angekommen und es fängt an zu regnen, jetzt muss es schnell gehen

Die Wettervorhersage für die ersten paar Tage sah regnerisch aus und es wurde auch Gewitter angekündigt. Am nächsten Tag versuchten wir trotzdem eine neue Wanderung, nach dem Motto „sobald das Wetter umschlägt und Gewitter im Anmarsch ist, geht es zurück“. Nach einer schon relativ anstrengenden Wanderung erreichten wir den Klettersteig am Col Ombert. Wir wollten diesen noch unbedingt versuchen und sind nahezu hochgerannt, da wir nicht wussten wann die ersten Wolken sich in Regen auflösen würden. Kurze Zeit später am Gipfel packte ich schnell mein Foto Equipment aus und fotografierte die tolle Aussicht mit der beeindruckenden Wetterstimmung. Denn genau da begann es zu regnen und gleich danach hörten wir den ersten Donner. Das war auf jeden Fall ein schlechter Zeitpunkt oben am Gipfelkreuz auf 2670m zu stehen. Deswegen schoss ich in wenigen Sekunden noch ein paar Panoramen, packte alles ein und wir stiegen in Windeseile wieder ab.  Wir hatten Glück und bekamen nur Nieselregen ab. Die entstandenen Bilder stellen die Stimmung vor Ort auf jeden Fall sehr gut dar.

In der Ferne regnete es schon stark, sodass es schnell vom Col Ombert runter ging

Am nächsten Tag folgte ein weiterer Klettersteig. Am Ferrata Giovanni Lipella ging es mit Stirnlampe durch einen Sprengstollen der Alpini-Soldaten des ersten Weltkrieges. Am Ende des Tunnels sah das Wetter immer schlechter aus, weßhalb wir den eigentlichen Aufstieg nicht machten, aber dennoch eine interessante Route vorbei am Gipfel Castelletto liefen, wo noch die Überreste vom Stellungskrieg des 1. WK wie Höhlen in Felsen, Schusslöcher, Mauern, Gebäude und alte Konservendosen zu sehen waren. Sehr beeindruckend.

In der Gegend,wo Stellungskrieg im 1.WK herrschte
Ein Holzkreuz als Andenken und alte Konservenbüchsen

Nach 3 Tagen Klettersteige begehen ging es nun zur Hüttentour über. Von Seis am Schlern führte die Route 1400 Höhenmeter hoch zum Schlernhaus. In der zweiten Hälfte der Wanderung begann es stark zu regnen. Durchnässt auf der Hütte angekommen sah ich wenig später einen Regenbogen am Himmel. Sofort ging ich mit Kamera und Stativ hinauf auf den Monte Pez auf 2568m. Schon auf dem Weg machte ich schnell ein Foto, weil ich schon den Verdacht hatte nicht rechtzeitig oben anzukommen. Genau so geschah es auch, aber nach ein paar Minuten Warten kam ein weiterer kleiner Regenbogen zum Vorschein und ich konnte mein Panorama mit meinem 16mm Objektiv erstellen. Die dunkleren Wolken ermöglichten mir sogar bei Tageslicht eine relativ gleiche Belichtung von Himmel und Vordergrund, sodass ich weder einen Verlaufsfilter vor Ort noch in der Bearbeitung später brauchte.

Vögel fliegen unter dem Regenbogen
Sonne und Regen in einem Panorama

Der nächste Tag mit unserer Wanderung zur Vajolet Hütte war weiterhin von Regen dominiert. Am Abend zog der Himmel etwas auf und etwas Nebel kam zum Vorschein. Ich schaute mir mögliche Kompositionen an, um dann am Abend in der blauen Stunde nicht länger suchen zu müssen. Mir gefiel die kleine Hütte und ich stellte mir bereits ein interessantes Motiv vor. Besser als gedacht, leuchtete sogar ein Licht am Eingang dieses Häuschens, was einen schönen Bezugspunkt bietet. Anders als in der üblichen blauen Stunde, wo das blaue Licht vor der Nacht mit eventuell gelb scheinenden Lichtquellen einen Komplementärbezug bildet, färbte die Sonne mit den letzten Strahlen den Himmel und die Berge in ein warmes rot-blau-violett ein. Ein nasser Tag ging somit warm zu Ende.

Die ersten Sonnenstrahlen erleuchten die Berge und der Tag beginnt
Die blaue Stunde an der Vajolet Hütte
Nach dem Regen bildet sich Nebel

Am nächsten Morgen zog es mich an die gleiche Stelle nochmal zurück um den Sonnenaufgang zu sehen. Mit einer acht Stunden Wanderung tagsüber über die Rotwand auf 2806m kamen wir entkräftet und unplanmäßig auf der Kölner Hütte an. Nach kurzer Stärkung ging ich noch raus an den Skilift, da die Sonne nur noch ganz knapp über den Bergen stand. Die kommende Nacht war sehr klar und kurze Zeit später gegen 22:30 Uhr konnte ich die Milchstraße mit den vielen weiteren Sternen optimal erkennen. Das wollte ich natürlich einfangen, was mit einer 1.4 er Blende recht einfach ist, da ich bei möglichen 25sek. Belichtungszeit mit einer 16mm Brennweite die ISO relativ niedrig halten kann und die Sterne keine Spuren ziehen. Ich versuchte eine geeignete Stellung für einen guten Vordergrund zu finden und fotografierte rund eine Stunde lang – da ich durch die lange Belichtungszeit, der folgenden gleichen Zeit an Bearbeitung der Kamera der Fotos und der vielen Aufnahmen um ein Hochkant Panorama zu machen – gezwungen war, geduldig zu sein. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach auf jeden Fall sehen lassen. Ein paar wenige Stunden Schlaf später klingelte wieder der Wecker gegen 5:30 Uhr. Ich zog mich an und wanderte noch mehrere Höhenmeter hinauf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Gerade die Zeit am Morgen finde ich inspirierend, wo noch keine Sonnenstrahlen die Umgebung belichten, aber dennoch die Landschaft in wunderschöne und sanfte Farben verzaubert wird. Auch hier habe ich noch mehrere Aufnahmen machen können. Mit diesen Eindrücken endete dann auch unsere Tour und es ging zurück in die Heimat.

Die letzten Sonnenstrahlen treffen in den Sensor meiner Kamera und bilden einen Sonnenstern
Sonnenaufgang mit Blick auf die Latemarspitze und dem Diamantiditurm
Die Milchstraße in den Dolomiten

Zur Bild-Serie „Die Alpen im Panorama“: www.richsart.de/fotografie

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